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Förderpreis für die Bürgerinitiative "Rettet die Marienfelder Feldmark"

Die Bürgerinitiative „Rettet die Marienfelder Feldmark“ erhielt in einer Feierstunde am 9. September den Förderpreis des Bezirks Tempelhof-Schöneberg für ihr außerordentliches nachhaltiges, freiwilliges Engagement. Der mit 1000 Euro dotierte Preis wurde von Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) verliehen. Frau Martina Zander-Rade (Bündnis 90/Die Grünen) hielt die Laudatio, in der sie einen kleinen Überblick gab über die vielen Aktionen, Projekte und über das erfolgreiche Wirken dieser Bürgerinitiative seit 1984.
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Laudatio von Martina Zander-Rade:

Verehrte Mitglieder der Bürgerinitiative Rettet die Marienfelder Feldmark, liebe Gäste!

Wir schreiben das Jahr 1985. Frau Ingetraud Müller, Sekretärin an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule am Tirschenreuther Ring in Marienfelde, fährt - wie jeden Tag - entlang an der Mauer, vorbei an der Feldmark zur Arbeit, abends wieder zurück. Täglich montags bis freitags. Und sie ärgert sich, weil die ansässige Firma Lorberg, eine Baumschule, Pestizide auf die Felder sprüht. Sie schreibt einen Brief an den Eingaben -und Beschwerdeausschuss der BVV Tempelhof. Sie war damals der Auffassung, dass das reichen würde.

Michael Delor, er saß damals im Büro der ALer (Alternative Liste) im Rathaus Tempelhof, fiel die Eingabe in die Hände. "Sauerei", dachte er und machte sich auf zu Frau Müller.

Beide machten sich klar, dass nur eine Bürgerinitiative hier weiterhelfen kann: Das erste Flugblatt entstand und sie verteilten es an die Anwohner-/innen in der Illigstrasse, Egestorffstrasse und Blohmstrasse mit der Ankündigung des 1. Treffens in der Finchleystrasse - wo sich die Bürgerinitiative übrigens noch heute trifft. 13 Leute kamen; beim zweiten Treffen im August gründete sich die Bürgerinitiative Rettet die Marienfelder Feldmark.

Die außergewöhnlich engagierten BI-Mitglieder-/innen (1985: keine Punks, keine Hausbesetzer - wir sind in Lichtenrade wohlgemerkt). Sie attackierten sofort BVV und AGH mit Schreiben, Aufforderungen, Telefonaten, so dass beide Häuser aktiv wurden und schließlich der Firma Lorberg noch 1985 untersagt wurde, Giftstoffe zu sprühen.
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Nun folgt eine sehr lückenhafte Auflistung ihrer Erfolgsgeschichte:

  • 1986 sollte die Firma Interglas, die Glasfasergewebe herstellen wollte, das mit Phenolharzen getränkt wurde, schnell und unbürokratisch die Baugenehmigung von dem damaligen Senat erhalten. Die BI machte sich sachkundig und stellte Planungs- und Sicherheitsmängel fest. Die Firma erhielt statt vorher 4 Auflagen nunmehr 205 einzuhaltende Auflagen. UND: Die BI bekam darüber hinaus das Zugeständnis, unangemeldet die Einhaltung dieser Auflagen in bestimmten Intervallen zu prüfen. Was für ein Erfolg: Eine Bürgerinitiative kontrolliert eine Firma. Das war einmalig in der Geschichte der Bürgerinitiativen.
  • 1987 hat es die BI geschafft, die Lärm- und Geruchsbelästigungen des Klärwerkes Marienfelde auf ein erträgliches Maß zu bringen.
  • 1988 wurde die gesamte Marienfelder Feldmark als Grenzübergang verplant. Wieder galt es tätig zu werden und es konnte verhindert werden.
  • 1989 planten die Berliner Wasserbetriebe (BWB) eine Groß-Klärschlammverbrennungsanlage auf dem benachbarten Brandenburger Gebiet. Die BI deckte erhebliche Planungsdefizite auf: Kapazität war überdimensioniert, Grenzwerte bei Emissionen von Quecksilber, Dioxine und Furane waren nicht gesichert, die Umweltbelastung wäre erheblich gewesen. Und: Die Planung wurde gestoppt. Das gesamte Klärwerk verschwand!
  • 1990 konnten die BI auch den asphaltierten Grenzweg autofrei für den Fuß- und Radweg erhalten.
  • 1993 sollte der Grenzweg weg. Die BI aktiv: Bundesministerium für Verteidigung bzw. Finanzen, Petitionsausschuss Bonn, Oberforstamt, Ministerium in Brandenburg und schließlich der Besuch eines hohen Generals führten zum Erfolg. Der Grenzweg blieb als autofreier Fuß- und Radweg.
  • 1996 machte man die BI in einem Gespräch beim Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz mit den Bedingungen der Rio Klimakonferenz 1992 bekannt, die auch Deutschland unterschrieben hatte und hat sie aufgefordert, für Tempelhof eine lokale Agenda aufzustellen. Die BI war sehr angetan von dem Vorschlag. „Lokal handeln - global denken“ entsprach ihrer Denk- und Handlungsweise und wir gaben den Anstoß zur Gründung der "Lokalen Agenda 21" in Tempelhof.
  • 1997 – 1999 war es die BI, die durch die Bildung von Arbeitskreisen die Lokale Agenda 21 Tempelhof ins Leben rief. Zwei Mitglieder-/innen sind bis heute Mitglied.
  • 1999 haben sie den Umweltpreis am 16.11. vom BUND für Tempelhof verliehen bekommen.
  • 2001 begann der Aufbau und die Mitarbeit bei der Arbeitsgemeinschaft Interkulturelle Gärten. Das Vorbild waren die Köpenicker Interkulturellen Gärten.
  • 2002 wurde ein Lehrpfades am Waldweg entlang errichtet und bis heute gibt es regelmäßige Führungen mit Kitas.
  • 2005 25jähriges Bestehen der BI Rettet die Marienfelder Feldmark. (Martina Zander-Rade hielt erneut unsere Broschüre hoch).
  • 2007 Pflanzungen von 8 Obstbäume und mehreren Sträuchern zur Absicherung des Feldes am Diedersdorfer Weg zum Freizeitpark.
  • 2007 Nach zehnjährigen Kampf gab es endlich eine Zusage für ein Gelände an der Feldmark zur Errichtung eines "Interkulturellen Gartens". Die dann 2009 realisiert werden konnte, da das Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum (NUSZ) als starker Vertragspartner für die Interkulturellen Gärten zur Verfügung stand.
  • 2008 haben sie den geplanten Autohof verhindert.
  • Der Tod von BI Mitbegründerin Frau Ingetraud Müller 2008 überschattete die Arbeit der BI. Doch es war auch Anlass, noch härter und intensiver zu kämpfen.
  • 2009 wurde endlich ihre Forderung nach Fußgängerinseln zur Verkehrsberuhigung am Schichauweg und Motzener Straße umgesetzt.
  • 2011 wurden sie vom BUND für besonderes ehrenamtliches Engagement geehrt.
  • Nächstes Projekt: Die Verkehrssituation südlich des Schichauweges in der Verbindung mit den geplanten Projekten in der Bahnhofstraße soll angegangen werden.

Ich bin mir sicher, dass auch dieses Projekt von Erfolg gekrönt sein wird - und ich betone, dass alles nur mit eigenen privaten Mitteln und in der Freizeit - also ehrenamtlich bis zur Selbstaufgabe - erfolgt. Davor habe ich sehr großen Respekt und dafür gebührt ihnen unser Dank. Ich bitte sie nun nach vorne, um Ihnen den Förderpreis übergeben zu dürfen. Herzlichen Glückwunsch!“
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Fotos:privat-BI

Auch die Lichtenrader Internetzeitung gratuliert herzlich und wünscht sich weiter eine aktive Bürgerinitiative für Lichtenrade!

 

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Internetzeitung von www.lichtenrade-berlin.de!
Hier wird jetzt in lockerer Folge von aktuellen Lichtenrader Geschehnissen berichtet. Eine Art "AKTUELLE INTERNETZEITUNG" könnte man auch sagen...
Viel Spaß dabei!
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