Lichtenrader wollen die Dresdner Bahn im Tunnel – aber keine neue Mauer quer durch den Stadtteil

Demo am Montag, 12. 9. 2016 um 18 Uhr in Lichtenrade vor der Salvator Kirche am S-Bahnhof Lichtenrade

Die AG Verkehr im Gebietsgremium des Aktiven Zentrum Lichtenrade Bahnhofstraße informiert:
Viele Lichtenrader wollen nach wie vor die ebenerdige Führung der Trasse für die Dresdner Bahn durch den Stadtteil verhindern. Die seit fast 20 Jahren tätige Bürgerinitiative Dresdner Bahn hat mit Unterstützung fast aller Lichtenrader Initiativen, Vereinen und Institutionen zu einer erneuten Demonstration am Montag, den 12. September um 18 Uhr auf dem Pfarrer-Lütkehaus-Platz, direkt vor dem S-Bahnhof Lichtenrade, aufgerufen. Um den Lichtenradern die Konsequenzen der ebenerdigen Trassenführung während der bahnseitig auf mindestens 4,5 Jahre angesetzten Bautätigkeit im Bereich Bahnhofstraße bildhaft aufzuzeigen, wird ab diesem Samstag eine simulierte Lärmschutzwand das Gelände der angrenzenden Salvator-Kirche am Pfarrer-Lütkehaus-Platz „zieren“. Die Plakat-Infowand am Pfarrer-Lütkehaus-Platz ist von der AG Verkehr im Gebietsgremium des Aktiven Zentrum Lichtenrade Bahnhofstraße.

Bis zu 7 Meter hohe Lärmschutzwände auf 2,5 km quer durch Lichtenrade

Seit heute kann man sich ein Bild von der Zukunft machen: Und noch 2 m höher wird die Schallschutzwand sein...(Foto: Moser)

...die Wand entsteht. Die Plakatwand wurde errichtet von Gerhard Quiring, Helmuth Schröter und Bernd von Lonski (Foto: S. Zeeck)

Aus Genehmigungsgründen zwar „nur“ 5 Meter hoch, wird die Info-Plakatwand bis etwa Mitte November auf die wesentlichsten Einschränkungen während der ab 2020 geplanten Bauphase rund um die Bahnhofstraße hinweisen:

  • Mindestens 4,5 Jahre Dauer-Baustelle Bahnhofstraße mit Totalsperrung für den motorisierten Verkehr am westlichen Ende
  • Straßensperrungen, Dauerumleitungen, Parkverbotszonen rundherum
  • Wegfall des Pfarrer-Lütkehaus-Platzes als Markt- und Parkplatz
  • Wegfall von Ladenflächen in Bahnhofsnähe
  • Wegfall der Querungsmöglichkeit für den motorisierten Verkehr in der Wolziger Zeile ab 2024.


Mindestens 4,5 Jahre werden die Lichtenrader und Besucher der Bahnhofstraße mit erheblichen Einschränkungen rechnen müssen: Umleitungen durch zweispurige Wohnstraßen wie Goltzstraße, Wolziger Zeile, Hilbert- und Wünsdorfer Straße sowie Briesing- und Steinstraße samt großflächigen Parkverbotszonen. Der Pfarrer-Lütkehaus-Platz wird für die Baustelleneinrichtung komplett gesperrt, im Kreuzungsbereich Bahnhof-, Briesing- und Steinstraße wird eine Buswendeschleife eingerichtet.

Hinzu kommen die ohnehin durch die Bautätigkeit und Lieferlogistik entstehenden Belästigungen in Sachen Lärm, Schmutz und Staub. Diese werden wohl weit in die Nachtstunden hineinreichen und auch die Wochenenden einschließen. Viele Lichtenrader Bürger und die Händler an der Bahnhof-straße sind in höchstem Maße in Sorge. „Gerade ist die Bahnhofstraße im Rahmen des Städtebauförderprogramms ‚Aktive Zentren‘ mit Fördermitteln von rund 20 Mio. Euro in den nächsten 8 Jahren ausgestattet worden, da werden alle Bemühungen um eine Aufwertung der Lichtenrader Einkaufsstraße als Stadtteilzentrum konterkariert“, sind sich Rainer Welz und Volker Mönch aus dem Gebietsgremium einig. Und zwar nicht nur durch die Baumaßnahme Unterführung und eine mindestens 4 1/2 Jahre währende Baustelle an sich, sondern auch durch das zu vermutende Ergebnis nach Beendigung der Baummaßnahmen.

Händler fürchten existenzgefährdende Umsatzeinbußen
So werden die kleinen Läden und Kioske an der Bahnhofstraße zwischen Wünsdorfer-/Hilbert- und Steinstraße ersatzlos wegfallen. „Die Läden an der Bahnhofstraße zwischen Stein- und Zescherstraße werden mindestens gewaltige Umsatzeinbußen schultern müssen, da die Bahnhofstraße quasi vor ihrer Nase während der Bauzeit in einer Sackgasse, noch dazu ohne Parkplätze, endet“, ist Markus Bassin von der Händlerinitiative Bahnhofstraße überzeugt. Andere Geschäftsinhaber stellen bereits ernsthafte Überlegungen an, ihren Standort an der Bahnhofstraße aufzugeben. Es ist unschwer vor-stellbar, dass die Bauzeit zu erheblichen Kundenrückgängen mangels Erreichbarkeit der Geschäfte und damit zu existenzgefährdenden Umsatzeinbußen führen wird.

Immobilieneigentümern drohen Miet- und Wertminderungen
„Bereits seit einigen Jahren sind Wertminderungen bei den Grundstücken im unmittelbaren Bereich der Eisenbahntrasse zu verzeichnen“, weiß Frank Behrend, Vorsitzender des Grundeigentümerverein Berlin-Lichtenrade mit rund 3.000 Mitgliedern. Spätestens mit einer Inbetriebnahme der Dresdner Bahn werden die Grundstücke im Einzugsbereich dann als besonders lärmbelastet ausgewiesen werden. Dieses Negativmerkmal wird zu einem Abzug bei der Berechnung der ortsüblichen Ver-gleichsmiete und Mieteinbußen der Eigentümer führen.

Ebenerdige Bahntrasse konterkariert das Städteförderprogramm für die Bahnhofstraße
Tatsache ist auch, dass sich die Gebietskulisse des Aktiven Zentrum und der planfestgestellte Bereich zwischen Steinstraße im Osten und Wünsdorfer Straße im Westen in gewichtigen Teilen überschnei-den. Unter anderem ist dadurch das strategische Entwicklungsziel des Aktiven Zentrum zur Entwick-lung der gerade verkauften Alten Mälzerei und des Hauses Buhr, das sich auf den im Leitbildprozess für Lichtenrade definierten westlichen Entwicklungsbereich bezieht, erheblich betroffen. Auch die vorgesehene Aufwertung des Pfarrer-Lütkehaus-Platzes zu einem öffentlichen Stadtplatz ist davon in starkem Maße betroffen bzw. nach Fertigstellung durch die ausschließliche Nutzung als BVG-Wende-schleife sogar gänzlich ausgeschlossen.

Offener Brief an Senator ohne Reaktion
Das Gebietsgremium hat den zuständigen Senator für Verkehr und Stadtentwicklung, Andreas Geisel, per Offenem Brief Ende Juli um einen Gesprächstermin gebeten. Darin sollen die überschneidenden Interessen zwischen AZ und DB-Bauvorhaben besprochen und Lösungsstrategien erörtert werden. Bis heute ohne jede Reaktion.
Die 5 Meter hohe und 4 Meter Plakat-Infowand am Pfarrer-Lütkehaus-Platz ist von der AG Verkehr im Gebietsgremium des Aktiven Zentrum Lichtenrade Bahnhofstraße auf eigene Kosten finanziert und gebaut worden. Auslöser für das Vorhaben war eine Sitzung des Gebietsgremiums im Juni. Dort hatte Holger Ludewig von der DB-Projektbau GmbH auf Bitte des Gebietsgremiums des AZ Lichtenrade-Bahnhofstraße die notwendigen Arbeiten für den Bau der Dresdner Bahn im Abschnitt 2 (Lichtenrade) erläutert. Themen waren u.a. die Unterführung der Bahnhofstraße, der Bau der Trasse, der Bau eines neuen Bahnhofes und die sich während der Bauphase ergebenden Einschränkungen.

wollank
am  10. September 2016  um  10:15

Hallo,
aktuell gibt es Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Lucjak dass im Bezirksamt die Sanierung / Asphaltierung der Strassen im sog. "Dichterviertel" (also Halker Zeile, Fontanestr., Grimmstr., restl. Goethestr. usw.) angeschoben werden soll. Dazu steht Dr. Lucjak in Verbindung mit dem Bezirksstadtrat Krüger. Diverse Beschwerden von mir und Bekannten / weiteren Anwohnern haben dazu geführt, dass sich Frau Seidel als Leiterin des Fachbereich Strasse nun endlich - nach Jahren - mit dem Thema marode Strassen in Lichtenrade befassen will.
Diese Infos können Sie gern über Dr. Lucjak verifizieren lassen. Es besteht wirklich Hoffnung, dass das aus dem Jahr 1920 stammende Kopfsteinpflaster jetzt endlich mal saniert wird, so wie teilweise in Halker Zeile (zwischen Barnetstr und Goethestr) vor bereits 30 Jahren erfolgte,
ich würde mich sehr freuen wenn Sie das Thema in Ihrem blog aufgreifen damit möglichst viele betroffene Anwohner davon erfahren. Wie es im FB Strassenbau heißt, müssten sich noch mehr betroffene Anwohner melden und den eklatanten Strassenzustand anzeigen, nur dann werden Mittel bereitgestellt. Also bitte: BEKANNT MACHEN, dass Hoffnung auf Besserung besteht.
Sie können in der Sache auch gern den Herrn Behrend vom Grundeigentümerverein Lichtenrade ansprechen, der tief im Thema steht und Interesse zur Beschaffenheit der Strassen beitragen könnte. Machen Sie das bitte zum Thema !!! Dies ist eine seriöse Sache, wie gesagt Herr Dr. Lucjak, MdB weiß bescheid und unterstützt das!

Ex-Lichtenrader
am  13. September 2016  um  16:37

Vielen Dank für den informativen Artikel und den interessanten Blog!


Anders als Kommentator "Wollank" möchte ich aber den Inhalt kommentieren und nicht das Thema "Kopfsteinpflaster":


Wie viele von uns wissen, ist nun das Bundesverwaltungsgericht am Zuge, den Planfeststellungsbeschluss und damit die vorliegende Baugenehmigung gerichtsfest zu machen. Bei der Klage gegen den Standort Schönefeld haben wir gelernt, dass dort durchaus Verbesserungen im Sinne der Anwohner vorgenommen werden, aber das Projekt nicht gekippt wurde. Dies ist meiner Meinung nach hier auch nicht zu erwarten, da die gesamtstädtische Interessenlage wohl höher gewichtet wird als die unbestreitbar negativen Effekte in Lichtenrade.


Der Bau eines Tunnels würde meiner Meinung nach ein komplett neues Planfeststellungsverfahren erfordern bzw. wesentliche Änderungen, wiederum mit Einspruchfristen und Klageanspruch. Eine Verzögerung um Jahre wäre die Folge. Schuld daran wäre aber nicht die BI, sondern diejenigen, die sich mit Händen und Füßen gegen die Tunnellösung wehren, im wesentlichen die Bahn selbst. Wohl auch aus Sorge, damit einen Musterfall zu schaffen.


Der Protest jetzt ist immer noch richtig und wichtig, er wird wohl allerdings nicht zum grundsätzlichen Erfolg führen. Dafür müsste schon ganz Lichtenrade auf die Straße gehen, um bundespolitisch Druck zu machen.


Bei der BI sehe ich Versäumnisse dahingehend, dass sie teils parteipolitisch nicht neutral agierte. Sozialdemokraten wurden immer verstärkt angegangen, ich erinnere mich an Kampagnen schon gegen Stolpe und Tiefensee, die ich gegen Ramsauer und Dobrindt so nicht gelesen und gehört habe. Das hat einen Teil der Sympathien und damit der Mobilisierung gekostet.


Wir sollten dennoch konstatieren, dass die Berliner Politik durchweg auf Seiten der Lichtenrader ist, die Bundespolitik allerdings andere Interessen verfolgt und die Bahn sowieso.


Abgesehen von Lichtenrade liegt es aber auch im gesamtstädtischen Interesse, dass der neue Flughafen gut verkehrlich erreichbar sein wird, deshalb verstehe ich, wenn es heißt: "lieber keinen Tunnel als keinen Flughafen-Express". Die Tunnelgegner spielten immer auf Zeit und werden sich damit wohl am Ende durchsetzen.


Lichtenrade sollte heute schon, auch mit dem Programm "Aktive Zentren", über eine Entwicklung mit Baustelle und geschlossenen Querungsmöglichkeiten sowie Lärmschutzwand nachdenken, ohne den kleinen Funken Hoffnung auf den Tunnel zu zerstören.


Fakt ist nämlich auch, dass der Pfarrer-Lütkehaus-Platz als Buswendeschleife und Parkplatz mit Klo kein Aushängeschild ist und die - überspitzt formuliert - Fressbuden und Alkitreffs am Bahnhof weniger erhaltenswert scheinen als sie genannt werden. Der Wegfall des Bahnübergangs Wolziger Zeile mit Wegfall von zwei Bushaltestellen und geringerer Erreichbarkeit hingegen ist ein Argument, womit sich die Gegner der Tunnellösung die Sache (zu) billig machen.


Hoffen wir das Beste.

Eintrag kommentieren

Hier klicken um sich zum Kommentieren einzuloggen




Graphical Security Code


Über mich
Internetzeitung von www.lichtenrade-berlin.de!
Hier wird jetzt in lockerer Folge von aktuellen Lichtenrader Geschehnissen berichtet. Eine Art "AKTUELLE INTERNETZEITUNG" könnte man auch sagen...
Viel Spaß dabei!
Mehr über mich
Archiv
21Publish - Cooperative Publishing