Flower-Power am Dorfteich: Wein, Winzer, aber keine Wiese für Kinder

Blumen und Kinder wollen auch von der Wiese am Dorfteich Lichtenrade Besitz ergreifen.

Mit dieser Botschaft weisen die Veranstalter des 28. Wein- und Winzerfestes auf das Nutzungsverbot für Kinderaktivitäten hin.

Kaum Kinderangebote und eine Blumenaktion

Das Wein- und Winzerfest wird in diesem Jahr erneut am Dorfteich Lichtenrade stattfinden. Die meisten Besucher sind von dieser Location wegen der ursprünglichen Atmosphäre begeistert. Verwundert waren Besucher schon beim letzten Fest, dem Maientanz, weil es kaum Angebote für Kinder gab. Zwar gab es einzelne Bastelstände, aber entsprechende Anträge zur teilweisen Nutzung der Grünfläche südlich des Dorfteiches wurden immer wieder vom Bezirksamt abgelehnt. So auch in diesem Jahr.

In einer bunten Flower-Power-Aktion, bei der „Blumenkinder“ symbolisch die vertrocknete Wiese mit künstlichen Blumen zum Blühen gebracht haben, protestieren die Veranstalter nun öffentlich gegen die Ablehnung und hoffen, dass die Genehmigungsbehörde doch noch ein Einsehen hat.

Die Idee zur Aktion in stilechter Blumenkindermanier stammt von Doris Deom, die beim BUND für Umwelt und Naturschutz aktiv ist.

Eva Reisberg und Doris Deom -re- (BUND Tempelhof-Schöneberg) begrüßten die Kunden bei einer Fairtrade-Aktion im benachbarten Seidenblumengeschäft -Foto: HDKeitel

„Was soll denn das?“, fragt der Volksparkchef

Der Veranstalter des Wein- und Winzerfestes ist seit einigen Jahren „Family & Friends“. Dabei unterstützen Lichtenrade Vereine und Initiativen die Aktivitäten des Veranstalters. Mit dabei sind beispielsweise die Aktionsgemeinschaft Bahnhofstraße, der Trägerverein vom benachbarten Lichtenrader Volkspark, die Bürgerinitiative Dresdner Bahn und auch die Bürgerinitiative Lichtenrade/Mahlow Nord gegen Fluglärm. Aber auch die Umweltinitiative BUND Tempelhof-Schöneberg ist im Boot bei den Lichtenrader Festen dieses Veranstalters. So hat Michael Delor vom BUND den Antrag auf Nutzung des Hermann-Wundrich-Platzes für Kinderaktivitäten gestellt. Geplant war die Aufstellung eines Märchenzeltes.

Michael Delor beim Stadt-Natur-Tag 2013
Delor erläutert: „Eltern sollen die Chance erhalten, ihre Kinder auf Bänken sitzend beim Märchenhören und bei den Ritterfestspielen beobachten zu dürfen und sich daran zu freuen.“ Delor kann die Ablehnung nicht nachvollziehen und weist auf schon vorhandene erhebliche Schäden der Wiese hin: „… soweit man überhaupt noch von einer Wiese sprechen kann. Außerdem ist es sowieso eine Erholungsfläche für Bürger.“

Auch der Lichtenrader Volkparkchef Wolfgang Spranger, der sonst selbst in Sachen Grün unterwegs ist, ist fassungslos und versteht die Welt nicht mehr: „Was soll denn das?“

Der zuständige Stadtrat Daniel Krüger erläutert auf Nachfrage, dass in einer Grünanlage keine Veranstaltungen stattzufinden haben: „Dann wäre es keine Grünanlage mehr!“ Faktisch wird die Fläche als Ruhebereich bei dieser Veranstaltung sowieso genutzt werden. Krüger erläutert, dass er durchaus Verständnis für das Anliegen der Veranstalter hat: „Grünanlagen sind dafür aber nicht geeignet.“ Man habe auf Ausweichmöglichkeiten hingewiesen. Außerdem führt er aus, dass es keine personellen Kapazitäten mehr gibt, um mögliche Schäden wieder kompensieren zu können. Vergleichbare Anliegen werden immer wieder an ihn herangetragen. Neben Anwohnerbeschwerden waren das jedoch auch Gründe, warum der Kulturlustgarten nicht mehr im Volkspark Mariendorf stattfindet.

Veranstalter will Kinderangebote mit Herz

Die Angebote würden von Family & Friends finanziert werden. Dort ist man nicht damit einverstanden, dass die Genehmigungsbehörde das Angebot in den Durchgang östlich der Kirche verschieben will. Von Veranstalterseite heißt es „Dieser abgelegene Winkel hinter dem Toilettenwagen ist für uns keine Option! Solch schöne Angebote gehören nicht im Hinterhalt versteckt. Auch unsere Sympathie für Kinder und Familien gehört nicht versteckt.“

Claudia Scholz ärgert sich darüber, weil sie bei den Festen in Lichtenrade immer bewiesen haben, dass sie ein verlässlicher Partner waren: „Bereits in der Vergangenheit haben wir bewiesen, dass unsere Arbeit das Vertrauen durch den Bezirk wert ist. Wir säubern selbstverständlich sowieso immer nach den Veranstaltungen das gesamte Areal rund um den Dorfteich.“ Claudia Scholz weist auch darauf hin, dass bei den Angeboten die Kinder nicht „an der Garderobe abgestellt“ werden: „Wie wollen ein schönes Familienangebot schaffen und die Wiese für die Öffentlichkeit sinnvoll nutzen.“

Warum wurde abgelehnt?

In der Ablehnung vom Straßen- und Grünflächenamt heißt es, dass Grünflächen nur im Einzelfall mit Genehmigung genutzt werden können, wenn das „überwiegende öffentliche Interesse dies erfordert und die Folgenbeseitigung gesichert ist. Weiter heißt es, dass bei dem Fest die Grünanlage „bereits im erheblichen Maße durch die Insellage beeinträchtigt und durch die Besucher der Veranstaltung stark mitbenutzt wird.“ Die Veranstalter sind entsetzt, dass bei einem Fest entsprechende Kinderaktivitäten nicht im öffentlichen Interesse sein sollen. Für Claudia Scholz von Family & Friends ist es eindeutig: „Das gefällt uns gar nicht! Es ist unanständig, dass auf der Wiese, die streckenweise gar keine Wiese ist, wir Kindern keine Angebote machen können.“ Für Claudia Scholz ist dies eine Herzensangelegenheit, zumal der Veranstalter, eine Nachbarschaftsinitiative aus dem Westend, seinen Ursprung in einer Spielplatzinitiative hat. Der Veranstalter hat es bislang immer wieder geschafft, dass die Feste in Lichtenrade durch vielfältige künstlerische Angebote aufgewertet wurden.

Thomas Moser

Wein- und Winzerfest am Dorfteich Lichtenrade

Freitag, 11. September 2015, 16.00 – 23.00 Uhr

Sonnabend, 12. September 2015, 12.00 – 23.00 Uhr

Sonntag, 13. September 2015, 10.00 – 20.00 Uhr

Fotos Thomas Moser; soweit nicht gesondert gekennzeichnet.
Stellungnahme von Stadtrat Krüger wurde am 20.8.2015 ergänzt.


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