Wird Lichtenrade zu Lärmenrade?

16. August 2015 Es deutete sich schon in den letzten Wochen an, dass es um den Bahntunnel durch Lichtenrade nicht gerade gut aussieht.

Nun berichtet der Tagesspiegel am 15. August 2015, dass das Eisenbahn-Bundesamt die ebenerdig von der Bahn beantragte Trassenführung akzeptiert hat. Der entsprechende Planfeststellungbeschluss wurde noch nicht veröffentlicht.

Dem Eisenbahn-Bundesamt lag jedoch auch keine Tunnel-Variante vor. Daher konnte die Behörde nur über die vorliegende ebenerdige Variante entscheiden. Dabei ist zu prüfen gewesen, ob der Bau zulässig ist, die eingereichten Unterlagen vollständig, plausibel und darüber hinaus technisch umsetzbar sind. Offensichtlich scheint dies vom Bundesamt bestätigt zu werden. Ob noch Auflagen oder Ähnliches damit verbunden sind, ist nicht bekannt.

Chaos auf Lichtenrader Straßen und hohe Wände durch Lichtenrade

Wenn die Planung so umgesetzt werden sollte, würden hohe Lärmschutzwände Lichtenrade zerschneiden.

Bei der ebenerdigen Variante wird der Übergang Wolziger Zeile dauerhaft geschlossen...


...Jetzt finden hier "nur" Bauarbeiten statt...


Der künftig geschlossene Bahnübergang an der Wolziger Zeile würde den Kraftfahrzeugverkehr durch die verbleibenden Querungsmöglichkeiten führen und dort für größere Belastungen sorgen. Am jetzigen S-Bahnhof Lichtenrade wird bei der ebenerdigen Variante eine steile Unterführung für den gesamten Verkehr von der Bahnhofstraße nach Lichtenrade-West gebaut werden. Hier wird erwartet, dass es wegen der engen baulichen Möglichkeiten zu erheblichen Problemen kommen wird.

Künftig Chaos im Tunnel und hohe Lärmschutzwände? (Dank an die BI Dresdner Bahn zur Veröffentlichung der Grafik)
Die Bahn wollte von Anfang an ebenerdig bauen. Viele Lichtenrader Bürgerinnen und Bürger unterstützten seit 18 Jahren die Bürgerinitiative Lichtenrade-Dresdner Bahn bei ihrem Kampf für einen Tunnel. Auch in der Koalitionsvereinbarung auf Berliner Ebene von SPD und CDU wurde die Tunnellösung für die Bahn durch Lichtenrade, die auch im engen Takt den künftigen BER-Flughafen bedienen soll, favorisiert. Es geht in erster Linie um die zusätzlichen Kosten für einen Tunnelbau, die Berlin offensichtlich nur zu einem Teil finanzieren wollen würde. Für die Bürgerinitiative ist klar, dass man in letzter Konsequenz gegen die Entscheidung klagen würde und auch schon seit Jahren entsprechende Beträge zurückgelegt hat.

Die Demonstration im September 2013
Dort ärgert man sich sehr darüber, dass die Entscheidung in den Ferien getroffen wurde. In sozialen Netzwerken wurden sofort Stimmen laut, die erneute Bürgerproteste fordern.

Nur eine politische Lösung kann eine Klage verhindern, wehrhafte Lichtenrader und verschiedene Tunnelvarianten

Abwenden kann die Entscheidung des Eisenbahn-Bundesamtes offensichtlich nur eine politische Lösung zwischen der Bahn, dem Bund und Berlin. Der Bau wird sich so oder so verzögern, da sich die Lichtenrader wie die Gallier wehren wollen, wie es scheint. Auch die Kostenschätzung für die ebenerdige Variante wurde vom Bund schon von 400 Millionen Euro auf voraussichtlich 560 Millionen Euro Baukosten nach oben korrigiert. Dabei sind Verzögerungen durch mögliche Klagen gegen die Entscheidung noch gar nicht eingerechnet. Für eine Tunnellösung wird von zusätzlichen Kosten von 95 bis 130 Millionen Euro, je nach Länge des Tunnels, ausgegangen. Die Bürgerinitiative fordert die längere Tunnellösung vom Schichauweg bis zur Landesgrenze nach Brandenburg. Eine kürzere Variante der Tunnellösung wurde zwischenzeitlich von einer anderen Lichtenrader Initiative, dem Bürgerforum Zukunft Lichtenrade, eingebracht. Dies wird jedoch von der Bürgerinitiative aus technischen Gründen abgelehnt. Außerdem wäre damit nicht Lichtenrade-Nord geschützt, wie der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Manfred Beck, immer wieder betont. Die gesamte Bezirkspolitik in Tempelhof-Schöneberg unterstützt eine Tunnellösung. In einer kürzlich einberufenden Pressekonferenz übte man den Schulterschluss mit verschiedenen Lichtenrader Initiativen, die alle eine Tunnellösung unterstützen.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler neben Manfred Beck, im Hintergrund v. lks. Thomas Schmidt, Frank Behrend, Lars Hombach; vorne lks.MdA Oliver Friederici (CDU) Foto: Gerd Bartholomäus 
Lärm von der Schiene und von oben

Es bleibt abzuwarten, ob politische Lösungen die ebenerdige Variante noch verhindern können. Sonst wird in Lichtenrade vermutlich erneut zu Protesten aufgerufen werden, zumal die Flugrouten zu den Nacht- bzw. Abendzeiten auch über Lichtenrade und Mahlow-Nord führen sollen. Während der Nachtstunden darf nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes die Ortsmitte von Blankenfelde-Mahlow in der Zeit von 22 bis 6 Uhr nicht überflogen werden.

Auch gegen Fluglärm protestierten die Lichtenrader/innen schon...
Die Bürgerinitiative „Lichtenrade/Mahlow-Nord gegen Fluglärm“ unterrichtete aktuell, dass es bei der Verhinderung der Nordüberfliegung von Mahlow-Nord einen Rückschlag gab. Die Gemeindevertreter von Blankenfelde-Mahlow stimmten erwartungsgemäß, aber äußerst knapp, für einen Beschluss zuungunsten besonders von Mahlow-Nord. Auch in der Fluglärmkommission konnte die sogenannte Nordüberfliegung trotz Protesten nicht verhindert werden.

Zu den genauen Hintergründen wird auf der Website der Fluglärm-BI informiert.

Thomas Moser (auch Fotos, sofern nicht gesondert gekennzeichnet)

http://www.dresdner-bahn.de

http://www.lichtenrade-gegen-fluglaerm.de

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Hier wird jetzt in lockerer Folge von aktuellen Lichtenrader Geschehnissen berichtet. Eine Art "AKTUELLE INTERNETZEITUNG" könnte man auch sagen...
Viel Spaß dabei!
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