Nimmt die Dresdner Bahn Fahrt auf?

Eine Pressekonferenz von vielen Lichtenrader Gruppen, ein unbekanntes Gutachten und „saure Lichtenrader“

Zur Situation rund um die Dresdner Bahn durch den Ortsteil Lichtenrade haben am 26. Juni 2015 vier örtliche Vereinigungen unter dem Motto „Heraus mit der Sprache“ zur Pressekonferenz eingeladen.

Der Tagesspiegel hat in seiner Berichterstattung die Gefühlslage vieler Anwohner recht gut getroffen, wenn es dort heißt: „Die Lichtenrader sind sauer!“ In der Überschrift heißt es: „Die Koalition will den Bahntunnel – nur Senator Geisel schweigt.“


Bei der öffentlichen Pressekonferenz (v.lks.n.re MdA Oliver Friederici (CDU Fraktion-Abgeordnetenhaus, Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, MdA Frank Zimmermann (SPD), Manfred Beck (Bürgerinitiative Lichtenrade-Dresdner Bahn) und Volker Mönch vom Bürgerforum Zukunft Lichtenrade
Es gibt viele Skeptiker, die schon gar nicht mehr an eine schnelle Zuganbindung an den geplanten Flughafen BER in Schöneberg glauben. Die Bürgerinitiative Lichtenrade-Dresdner Bahn ist skeptisch und glaubt den vielen Versprechungen der unterschiedlichen Beteiligten kaum noch. Seit 18 Jahren kämpfen sie für einen Tunnel und wollen mit aller Macht, dazu würde auch notfalls ein Klageverfahren gehören, die von der Bahn bevorzugte kostengünstigere ebenerdige Variante verhindern. Ein wichtiges Argument war immer, dass die hohen Lärmschutzwände Lichtenrade zerschneiden würden und die angedachte Auto-Unterführung am S-Bahnhof Lichtenrade zu extremen Belastungen führen würde. Zudem würde der jetzige Bahnübergang an der Wolziger Zeile geschlossen werden und der gesamte Kfz-Verkehr würde sich durch die kleinen Anwohnerstraßen quälen.

Pressekonferenz von Lichtenrader Initiativen

 Foto v.lks.n.re.: Frank Behrendt (Grundeigentümerverein Lichtenrade), Lars Hombach (Händlerinitiative Bahnhofstraße), MdA Oliver Friederici (CDU Fraktion-Abgeordnetenhaus), Thomas Schmidt (Unternehmer-Netzwerk), Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, Ulrich Hauschild (BVV-Fraktion der Grünen), MdA Frank Zimmermann (SPD) und Manfred Beck (Bürgerinitiative Lichtenrade-Dresdner Bahn)
Zur Pressekonferenz hatten die Bürgerinitiative Dresdner Bahn, der Grundeigentümerverein Lichtenrade, die Händlerinitiative Bahnhofstraße und das Unternehmer-Netzwerk Lichtenrade eingeladen. Gemeinsam ging es darum herauszubekommen, wo die Politik in Berlin steht. Besonderen Anlass hatte Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) gegeben, der nach Pressemitteilungen die ebenerdige Variante unterstützte, weil sich bei einem Tunnelbau die schnelle Anbindung zum BER verzögern würde. Außerdem würde, nach Mutmaßungen von Geisel, die Baustelle die S-Bahn jahrelang blockieren und die Anwohner wären vom unzähligen Lkw-Verkehr mit Erdaushub belastet. Ein ähnlicher Vorstoss von Geisel war auch schon kurze Zeit nach seinem Amtsantritt zum Senator zu hören. Viele Beteiligte vermuteten, dass er noch gar nicht wissen könne, wovon er redet. Andere sehen es skeptischer, zumal er kein politischer Neuling ist.

Der Vorsitzende der BI Dresdner Bahn, Manfred Beck, erklärt: „Das ist Quatsch mit dem Lkw-Verkehr. Bei der von uns bevorzugten und heute technisch modernen Schildvortriebweise, würde der Erdaushub an den Tunnelenden mit der Bahn wegtransportiert werden können.“

Geisel will einen Tunnel, Geisel will keinen Tunnel, Geisel redet davon, was die Bahn plant, Geisel will…?

Das wäre der Super-Gau für viele Lichtenrader (Dank an die BI Dresdner Bahn zur Veröffentlichung der Grafik)

Der Tagesspiegel berichtet vom Vororttermin am letzten Freitag. Der anwesende Abgeordnete MdA Frank Zimmermann (SPD) soll den Senator in Schutz genommen haben. Der habe, wie es weiter im Tagesspiegel heißt, eigentlich nur die Argumente der Gegenseite „mitgeteilt“. Geisel „hätte auch gerne einen Tunnel“. Weiter heißt es aus den Recherchen des Tagesspiegels: „Geisels Sprecher Martin Pallgen relativiert wiederum diese Aussage. Es gebe drei Ausbauvarianten: oberirdisch, Tunnel mit S-Bahn und Tunnel ohne S-Bahn. Geisel lege sich derzeit nicht fest, welche er bevorzuge.“ Der BI-Vorsitzende Manfred Beck und die Grünen blieben skeptisch. Der aus der Grünen-BVV-Fraktion anwesende Ulrich Hauschild forderte, dass der Regierende Bürgermeister ihn doch in die Schranken verweisen soll.

Forderung der Bezirksbürgermeisterin: Es gibt nur den Tunnel für die Bahn!

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler neben Manfred Beck, im Hintergrund v. lks. Thomas Schmidt, Frank Behrend, Lars Hombach; vorne lks.MdA Oliver Friederici (CDU)
Die auch anwesende Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) hat im Zusammenhang mit der Pressekonferenz erklärt: „Ich fordere den Senat, das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und die Deutsche Bahn AG im Namen des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg auf, endlich ein klares Votum – wie zum Beispiel im Berliner Koalitionsvertrag vereinbart - für die Tunnellösung abzugeben und umzusetzen. Einlassungen gegen die Tunnellösung, führen zu starker Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger Lichtenrades, der Gewerbetreibenden und nicht zuletzt der Grundeigentümer_innen. Eine ebenerdige Lösung würde den Stadtteil Lichtenrade geradezu zerschneiden und zu enormen Attraktivitätsverlusten führen. Auch wenn die Tunnellösung mehr kostet, ist sie für den Stadtteil Lichtenrade und seine Menschen unerlässlich. Die vorhandene Lebensqualität darf nicht auf dem Altar der Sparsamkeit und kurzfristiger Überlegungen geopfert werden. Mittelfristig gewinnen Lichtenrade und Berlin mit dem Tunnel!“

Berlin will Planungskosten für Tunnel einplanen und erstmal das Gutachten sehen

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU Oliver Friederici erklärte bei dem Zusammentreffen in Lichtenrade, dass ein Tunnel im Schildvortrieb favorisiert wird. Die Tunnelforderung sei im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Im Tagesspiegel heißt es, dass man im Doppelhaushalt 2016/17 erste Planungskosten einstellen werde, verbunden mit dem Vermerk: Nur abrufbar für eine Tunnellösung. Frank Zimmermann (SPD), Oliver Friederici und die anwesenden Bezirkspolitiker wollen nach den Tagesspiegelausführungen Akteneinsicht bei der Bahn beantragen, weil dort ein unveröffentlichtes Gutachten zur Tunnelvariante vorliegen soll. Darin sollen die Unterschiede der verschiedenen Varianten aufgezeigt sein. So will man den Druck auf die Bahn und den Bund erhöhen.

Bahn und Bund sind für die Planung und den Bau verantwortlich. Berlin würde nur einen Teil der Mehrkosten für einen Tunnel tragen, zumindest nach den bisher vorliegenden Aussagen.

Nach den bisher öffentlich genannten Kostenschätzungen würden die Mehrkosten für einen Tunnel 95 Mio. Euro betragen. Frank Zimmermann erklärte in Lichtenrade: „Wir ziehen an einem Strang.“

Lichtenrader Initiativen für einen Bahn-Tunnel durch Lichtenrade

Bei der Pressekonferenz waren aus Lichtenrade die BI-Vertreter der Dresdner Bahn (Manfred Beck und Boto Mertins), Thomas Schmidt vom Unternehmer-Netzwerk, Apotheker Lars Hombach von der Händlerinitiative Bahnhofstraße und Frank Behrend vom Grundeigentümerverein dabei. Anzumerken ist hier positiv, dass dieses gemeinsame Vorgehen ein richtiges Zeichen an die Politik ist. Volker Mönch vom Bürgerforum Zukunft Lichtenrade moderierte die Veranstaltung. Alle Beteiligten sehen in der ebenerdigen Lösung eine städteplanerische Katastrophe, die den Stadtteil auf Jahrzehnte schaden würde. In der gemeinsamen Presseerklärung heißt es auch, dass die Zukunft von Lichtenrade im Zusammenhang mit den öffentlichen Beteiligungsproszessen für ´Aktive Zentren` gefährdet ist: „In Wirklichkeit ist eine Entwicklung des Mälzerei-Areals und der Einkaufsstraße durch die Unterführung der Bahnhofstraße im Bereich der viel zu kurzen Strecke zwischen Steinstraße und Wünsdorfer Straße und durch meterhohe Schallschutzwände auf Härteste bedroht.“

Thomas Moser

Fotos Gerd Bartholomäus / Lichtenrader Magazin

 


Foto: Thomas Moser


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