Ton- und Keramikkunst in Lichtenrade

Es ist kaum zu Glauben. Bereit seit 1985 besteht in Lichtenrade eine Künstlergruppe, die sich hauptsächlich mit Ton- und Keramik beschäftigt. Die Gruppe hat sich den Namen „KGB“ gegeben, was nichts mit dem ehemaligen sowjetischen Geheimdienst zu tun hat, sondern übersetzt „Kunstgruppe Berlin“ heißt.

Ihre letzte Ausstellung hatten die 10 Aktiven Mitte September 2013 bei einer offenen Weinverkostung in Didis Weinvertrieb, der sich südlich der Barnetstraße in der Dossestraße 4 versteckt.

Der Weinvertrieb ist keine kalte Lagerhalle, sondern eine gemütliche Stube mit einem wunderschön angelegten Garten. Da sich das Wetter in diesen ersten Herbsttagen von seiner besten Seite zeigte, wurde im Garten reichlich Wein und Käse verkostet. So nebenbei gab es ganz besondere Kunst zu betrachten.


Wer nicht nur weinselig über den blumigen Abgang philosophieren wollte, hatte reichlich Gelegenheit mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Die einzelnen Werkstücke waren geschmackvoll im Garten platziert und luden zum Ausstellungsrundgang ein.

In Didis Garten gab es Stierköpfe, Rudi-Rüssel, die Robbe, eine Ente, Pokomon, den Vogel der Nacht und noch viele andere Kunstwerke zu betrachten. Jedes Kunstwerk ein Unikat, über das mindestens eine Geschichte erzählt werden konnte.



Hermann Famulla und Peter Schueßler
Besonders gerne begleitete Hermann Famulla (67) die Ausstellungsbesucher. Famulla war von Anfang an bei der Gruppe dabei und kann als ehemaliger Lehrer nicht nur handwerkliche Erklärungen geben, sondern auch über theoretische Ansätze ausgiebig berichten.

Wie fing alles an?

Zusammen mit seiner Frau hat Hermann Famulla jahrelang Kurse bei der bekannten Bildhauerin Rose-Marie Stiller besucht. Die bereits verstorbene Künstlerin hat zum Beispiel die Nilpferd-Gruppe am Einkaufszentrum in der John-Locke-Straße entworfen. Als die Künstlerin verstarb, überlegte Famulla, ob er die Volkshochschulkurse übernehmen sollte. Es war aber nicht so sein Ding, beim Herstellen kleiner Haushaltsaccessoires, Namensschilder oder Aschenbechern behilflich zu sein. In einer kleinen Ansprache anlässlich einer Vernissage plauderte das ehemalige KGB-Mitglied, Volker Laschke, aus dem Nähkästchen: „Sie können ja mal unauffällig auf seine auffällig großen Hände gucken. Kurz gesagt, er fühlte sich zu Größerem berufen.“

Wie kam es dann zu der Künstlergruppe?

Die heutigen Künstler waren intensiv mit ihren Kindern beschäftigt, trafen sich öfters beim täglichen Bringen und Abholen der Kinder im Kinderladen, bei Schulveranstaltungen oder beim Einkaufen. Lichtenrade war und ist halt ein Dorf! Bei regelmäßigen Geburtstagsfeiern kamen sie näher zusammen, redeten über politische Haltungen und erzählten sich ihre Lebensgeschichten. Sie waren sich sympathisch und verstanden sich gut.

Marita töpferte schon lange feinste Gefäße und Johannes hat sich an figürlichen Darstellungen probiert. So entstand irgendwann die Idee, sich regelmäßig als Künstlergruppe zu treffen und die Freundschaften festigten sich. Als Geheimnis für die Dauerhaftigkeit des Zusammenseins wird übereinstimmend von der Gruppe die „Freundschaft und die Ähnlichkeit des Grundwertekatalogs“ angesehen.

Einige neuere Gruppenmitglieder lernten nach und nach die Techniken für die Ton- und Keramikverarbeitung. So gibt es bei Ton und Keramik den Raku- und den Holzbrand. Letztlich geht es bei der Erzeugung unterschiedlicher Farben und Strukturen im Wesentlichen um die Zuführung oder Entziehung von Sauerstoff.

Gemeinsame Themen

Die Künstlergruppe gibt sich immer wieder Themen, bei denen sich alle Mitglieder mit ihren Ideen einbringen. So waren sie im Rahmen einer Kunstausstellung des Tempelhof Museums zu modernen Interpretationen von sogenannter „Primitiver Kunst“ der Naturvölker und alten Kulturen aktiv. Das letzte Thema, das auch bei Didi ausgestellt wurde, waren die sieben Todsünden. Es geht um die Todsünden im Wandel der Zeit. Angefangen mit den historischen Todsünden aus der mittelalterlichen christlichen Morallehre (zum Beispiel Geiz, Unkeuschheit, Neid, Zorn), über die Todsünden der Kleinbürger nach Bertold Brecht hin zu den heutigen Todsünden (zum Beispiel: Fremdenhass, Umweltverschmutzung). Nach anfänglichen Bedenken konnte Hermann Famulla die Gruppe doch von diesem Thema überzeugen. Und Überzeugen macht Famulla sichtlich Freude.

So waren bei den ausgestellten Todsünden die „zerstörte Persönlichkeit“, „der Geldsack“, „Missbrauch“ oder der „betende Krug“ zu bestaunen.

Peter Schueßler (55) ist vor einigen Jahren hinzugekommen und hat sich jetzt an größere Kunstwerke herangewagt. Aus Speckstein hat er das „löchrige Schwein“ hergestellt oder mit Gasbetonstein „Das halbe Rad“ oder den „Bauhauszuschnitt“ erschaffen.

Es gab in der Gruppe immer Mal einige Veränderungen, ein harter Kern ist jedoch von Anfang an dabei. Die heutigen Aktiven sind: Barbara Lidzba-Conrad, Gerhard Conrad, Margitta Famulla, Hermann Famulla, Marita Steenken-Huinink, Peter Schueßler, Peter Schöpke, Bärbel Schöpke, Jürgen Furter, Sieglinde Furter.

Wein und Kunst sind vereint!

Im Hintergrund hört man immer wieder das Anstoßen von Weingläsern, angeregte Unterhaltungen allerorts und am kleinen Gartenpavillon hat Didi, mit vollem bürgerlichen Namen Dieter Tormann, in Weinseminaren viele Fragestellungen rund um die edlen Tropfen erörtert.


Die Kunstgruppe „KGB“ trifft sich regelmäßig bei Didi und so war es dann fast selbstverständlich, dass die Ausstellung mit der gut besuchten Weinverkostung kombiniert wurde.

In einer freundlichen Atmosphäre konnte man ganz besondere Kunst bewundern. Eine geglückte Kombination, die die verschiedensten Sinne ansprach!

Thomas Moser

Im Lichtenrader Magazin 10/2013



 

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