Abschied vom LortzingClub

Seit neun Jahren ist Oliver Schmidt (42) Leiter des Lichtenrader LortzingClubs. Nun verändert sich der Pädagoge und verlässt Ende Juli 2013 „sein Lortzing-Kind.“ Oliver Schmidt hat auf Lehramt mit zwei Fächern studiert und diese Ausbildung abgeschlossen. Gearbeitet hat er bereits im Studium als Honorarkraft im Bereich der Hilfen zur Erziehung und war auch schon lange Jahre in diesem Bereich tätig. Besonders geprägt hat ihn die Arbeit im Neuköllner Kinderbüro. Oliver Schmidt hat immer eigenverantwortlich und gerne gearbeitet. Mit viel Engagement und Freude hat er sich in die Arbeit mit den Kindern im LortzingClub gestürzt. Die Einrichtung galt schon lange „als tot“, bevor Oliver Schmidt die Kindereinrichtung aus dem Dornröschenschlaf wachküsste. So brachte er seine Liebe zum Theater ein und hat als erstes Kinder-Theaterprojekt im LortzingClub „Dornröschen“ gestartet. Der Erfolg von Oliver Schmidt und seiner Mitstreiterin, Maike Hoffmann, hält bis heute unvermindert an.

Es wurde viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben, ein Förderverein gegründet und immer wieder Finanzmittel angeworben. So konnten einige notwendige Arbeiten in der Einrichtung gemacht werden und ein attraktives Programm geboten werden. Die Kinder und Eltern sind traurig und bedauern den Weggang von „Olli“, wie er gerne von den Kindern genannt wird, sehr. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden.

Seit 2006 arbeitet Oliver Schmidt auch für das Kinder- und Jugendparlament in Tempelhof-Schöneberg.

Oliver Schmidt geht der Jugendhilfe im Bezirk jedoch nicht verloren. Ab Anfang August wird er im Bereich der Jugendförderung im Jugendamt seine Ideen einbringen und dort eine feste Stelle erhalten.

Zum Abschied vom LortzingClub führten wir, während des Ferien-Abendteuercamps, ein Interview mit Oliver Schmidt.

Was war das Schönste bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Lichtenrade?

Oliver Schmidt: Das Schönste ist der Blick in die Kindergesichter, wenn man ihnen eine tolle Zeit verschafft hat. Wenn die Kinder hier bei einem Projekt sind und sie strahlen einen an: Das ist nicht mit Geld aufzuwiegen!

Was war das Beeindruckendste bei der Arbeit im LortzingClub?

Oliver Schmidt: Meine Lieblingsprojekte waren immer die Theatersachen. Sie wurden von Anfang an gut angenommen, obwohl alle immer gesagt haben, das braucht man gar nicht auszuprobieren. Es ist toll zu sehen, wie sich die Kinder darauf einlassen und sich intensiv eine Woche mit einer Sache beschäftigen. Es ist auch schön zu sehen und beeindruckend, wie die Kinder die Freude nach Hause tragen und mit ihren Eltern den Keller nach Requisiten und anderen Sachen für das Theaterstück durchkramen. Die Eltern haben die Arbeit immer wundervoll unterstützt.

Wie kamen sie zu der Theaterarbeit?

Oliver Schmidt: Das war schon immer mein Hobby. In der Schule hatte ich das Fach „Darstellendes Spiel“. Dabei ist die Liebe zum Theater gekommen. Der tolle Lehrer hatte so manche Wege links und rechts aufgezeigt und konnte viel vermitteln. Da habe ich gedacht, wenn man die Kinder öffnet, kann man hier die gleichen Sachen probieren.

Wie ist die Wahrnehmung des LortzingClubs in der Öffentlichkeit?

Oliver Schmidt: Ich wünsche mir weiterhin eine tolle Berichterstattung über den LortzingClub und über die Aktivitäten, damit man auch sieht und mitbekommt, was für interessante Angebote gemacht werden. Der LortzingClub ist auch ein sozialer Ort, der immer bekannter werden sollte. Manchmal kommen noch Leute, die in der Nähe wohnen, die den LortzingClub bisher nicht kannten. Da muss man immer weiter Öffentlichkeitsarbeit machen.

Was wünschen sie den Lichtenrader Kindern im LortzingClub?

Oliver Schmidt: Ich wünsche dem LortzingClub mindestens weitere 60 Jahre! Dann muss ich jedoch politisch werden. Der LortzingClub sollte auskömmlich finanziert werden! Ansonsten wünsche ich weitere spannende Angebote und auch in der Zukunft Eltern, die engagiert mithelfen und mitgestalten.

Was ist an der Arbeit im Kinder- und Jugendparlament (KJP) so wichtig?

Oliver Schmidt: Die Arbeit im Kinder- und Jugendparlament war und ist eine getrennte Sache von der offenen Arbeit in der Einrichtung. Aber die Anliegen sind gleich!

Kinder und Jugendliche zu beteiligen, weil sie es können, klingt wie ein Werbespruch, aber so ist es auch! Es ist wichtig, dass der andere Blick von Kindern eingebracht wird und das sich Erwachsene und Kinder aufeinander zubewegen. Die Kinder und Jugendlichen sind auch Bürger und Teil dieser Stadt!

Hat die Arbeit des KJP etwas bewirkt?

Oliver Schmidt: Ja! Es ist dabei nicht immer wichtig, dass jeder Antrag Erfolg hat. Aber es ist ein Erfolg, dass über jeden Antrag vernünftig, verständlich und ernsthaft gesprochen wird. Das KJP von Tempelhof-Schöneberg hat eine Stimme, die im Bezirk und überregional gehört wird. Die Kinder sind regelmäßig im bezirklichen Jugendhilfeausschuss (JHA) und berichten dort selbst über ihre Arbeit. Die Vorsitzende des JHA, Marijke Hoeppner, unterstützt dabei die Arbeit der Kinder sehr. Beim KJP wird auch oft von AGs, für Veranstaltungen und sogar vom Bundestag angefragt.

Was konnte das KJP bisher erreichen?

Oliver Schmidt: Es ist nicht so, dass, wie Grönemeyer es singt, Kinder an die Macht kommen sollten. Aber es ist bedeutsam, dass ihre Stimme gestärkt wird! Es ist dabei auch immer wichtig, dass die Kinder selber sprechen und ich nie Übersetzer der Anliegen war. Besonders stolz sind die Kinder über die selbstverwalteten 500 Euro pro Regionalgruppe. Das ist was ganz Praktisches, womit die Kinder dann auch konkret umgehen können. Da darf dann auch kein Erwachsener reinreden. Ein Indikator für eine gute Arbeit des KJP ist sicher auch, dass viele Kinder und Jugendliche schon sieben Jahre dabei sind. So werden die Kinder immer selbstständiger und können schon viele Sachen selber vorbereiten.

Was war ihre Arbeit im KJP?

Oliver Schmidt: Ich bin so eine Art Sekretär gewesen. Meine Arbeit war dabei zu helfen. Zum Beispiel habe ich gezeigt, wie man Präsentationen fertigt und Arbeitsgruppen leitet. Auch bereite ich Sachen vor, damit die Jugendlichen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Aber die Entscheidungen trifft dann immer das KJP.

Wenn sie drei Wünsche frei hätten…?

Oliver Schmidt: Der erste Wunsch wäre eine auskömmliche Finanzierung in der Jugendarbeit. Dann wünsche ich mir engagierte und interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Jugendeinrichtungen, die professionell, aber auch mit viel Spaß und Freude für die Sache brennen. Als letzten Wunsch hätte ich, dass es weiter Kinder und Jugendliche gibt, die sich für verschiedene Sachen begeistern können.

Danke für das Interview, für die tolle Arbeit im LortzingClub und viel Erfolg und Freude bei der künftigen Arbeit!

Die Kinder- und Jugendeinrichtung in der Lichtenrader Lortzingstraße 16 wurde bereits 1948 unter amerikanischer Leitung eröffnet. Genau vor 60 Jahren, am 1. Juli 1953, hat der Bezirk Tempelhof die Einrichtung übernommen. Der LortzingClub ist immer noch im Eigentum des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg und wird vom AHB-Berlin Süd gGmbH betrieben.

Thomas Moser, der auch das Interview führte (auch Fotos!)

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