Erwartungen im Blick auf ein Zentrum für den Ortsteil Lichtenrade

Ein Denkanstoß der Ökumenischen Umweltgruppe Lichtenrade
Braucht Lichtenrade ein Einkaufszentrum ?
Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg und speziell der Ortsteil Lichtenrade ist im gesamtstädtischen Vergleich überdurchschnittlich mit Verkaufsflächen ausgestattet 1). Darüber hinaus gibt es im Umkreis von Lichtenrade zahlreiche gut erreichbare Shopping-Zentren. Insofern ist Lichtenrade ausreichend mit Einkaufsmöglichkeiten versorgt. Eine Untersuchung im Auftrag des Bezirksamtes kommt zu dem Ergebnis, dass die Potenziale für neue Angebote weitgehend ausgeschöpft und nur im Verdrängungswettbewerb zu realisieren sind 2).
Wenn dennoch ein weiterer Einkaufsplatz in Lichtenrade in Angriff genommen werden soll, ist dieses Projekt unseres Erachtens nur dann gerechtfertigt und wirtschaftlich tragfähig, wenn es sich durch besondere innovative Qualitätsmerkmale auszeichnet. Wir möchten vier solcher Qualitätsmerkmale benennen.
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Skizze aus dem Lichtenrader Magazin Nr. 06/2010
1.) Ein integriertes Konzept für den Ortsteil Lichtenrade
Beim Grundstück am S-Bahnhof Lichtenrade rund um die alte Mälzerei handelt es sich um ein Schlüsselgrundstück für den gesamten Ortsteil. Es bietet sich als organischer Mittelpunkt für das öffentliche Leben in Lichtenrade an. Schon jetzt befinden sich relevante Knotenpunkte im Umfeld dieses Standortes (Stadtbibliothek, Bürgeramt, Bus und Bahn, Kirchenzentrum). Der Bezirk wäre gut beraten, sich hier eine Vorratsfläche für zukünftigen Bedarf an öffentlichen Dienstleistungen zu sichern.
Das vorgesehene Grundstück ist zugleich Teil des Einkaufsraumes Bahnhofstraße. Um an dieser Stelle Fehlinvestitionen und ruinösen  Verdrängungswettbewerb zu vermeiden, sollte von neutraler Seite eine Analyse der vorhandenen Geschäfte und der wirtschaftlich sinnvollen Ergänzung vorgenommen und ggf. eine gemeinsame Vermarktung der Bahnhofstraße angestrebt werden.
2.) Ein Marktplatz an der alten Mälzerei
Einkaufen hat einen Erlebniswert und eine kommunikative Komponente. Zu den hier entstehenden Geschäften gehört nach unseren Vorstellungen ein großzügiger Marktplatz mit Café und Biergarten, ein Platz, der auch für Wochenmarkt und öffentliche Veranstaltungen genutzt werden kann. Wir gehen davon aus, dass sich – nachdem das Zentrum angenommen worden ist – große Möglichkeiten für eine wirtschaftlich tragfähige Nutzung der alten Mälzerei z.B. für Sport, Fitness und Wellness, medizinische Dienstleistungen, Gastronomie und Kultur (Stadtteilkino) ergeben werden.
Bei einer Bürgerveranstaltung am 20. Mai 2010 hat sich die deutliche Mehrheit gegen einen kompakten Gebäudekomplex ausgesprochen und für einen Marktplatz mit Einzelhandelsgeschäften und Dienstleistungen votiert. Was das Sortiment betrifft, so verweisen wir auf die Branchen, die in Lichtenrade fehlen oder nicht ausreichen, z.B. Reformhaus / Bio-Fachmarkt / Wochenmarkt / gute Bekleidung, / Schuh- und Sportgeschäft / Hotel / Musik und Film / Spielzeug / Handarbeits- und Kurzwaren / Handwerks- und Eisenwaren.
3.) Ein nachhaltiges Verkehrskonzept
Nach unseren Recherchen zieht das Zentrum in seiner jetzigen Größe und Konzeption ein gewaltiges zusätzliches Verkehrsaufkommen nach sich, für das die teilweise engmaschigen Umgebungsstraßen nicht ausgelegt sind 3). Es kann daher kaum im Interesse der Bewohner von Lichtenrade liegen, weiteren Autoverkehr in den Ortsteil zu ziehen. Insofern muss vor der Erstellung des Bebauungsplanes ein von unabhängiger Seite erbrachtes nachhaltiges Verkehrskonzept vorliegen. Von dessen Ergebnis wird es abhängen, ob die Verkaufsfläche sowie Zahl der Parkplätze des neuen Zentrums begrenzt werden müssen. Dabei sind die Bedürfnisse der nichtmotorisierten Benutzer der Bahnhofstraße (mit ihren Einzelhandelsgeschäften, mit Schulen, Kindergarten, Seniorenwohnheim und Ärztezentrum) zu berücksichtigen. Es muss vermieden werden, dass - sozusagen als Nebenwirkung des neuen Einkaufszentrums - die Bahnhofstraße zu einer völlig überlasteten Hauptverkehrsstraße wird und ihr Charakter als "Flaniermeile" verloren geht. Auch die Bewohner der Nuthe- und Steinstraße sind vor zusätzlichen verkehrlichen Belastungen zu schützen.
Der einzigartige Standortvorteil des Zentrums liegt in der Nähe zu Bahn und Bus.
Die Herausforderung besteht darin, an dieser Stelle über Lösungen eines verkehrsberuhigten Einkaufsstandortes mit Zubringerdiensten und alternativen Verkehrsmitteln nachzudenken.
4.) Eine ansprechende und ökologisch nachhaltige Architektur
Wir kennen in Lichtenrade Supermärkte von einer menschenverachtenden Hässlichkeit und wünschen uns stattdessen eine ansprechende, in die Umgebung eingebettete Gestaltung. Man könnte sich z.B. vorstellen, dass sich Spuren der Backsteinarchitektur der Umgebung (Kirche, Bahnhof, Mälzerei) in den Fassaden der Gebäude wieder finden. In dem uns vorliegenden Entwurf ist ein auffällig hoher Anteil der Grundstücksfläche bebaut oder versiegelt ohne grüne Oasen oder Gestaltungselemente.
Schließlich erwarten wir, dass beim Neubau eines solchen Zentrums auf eine ökologisch nachhaltige Bauweise und ein Abfallwirtschaftskonzept geachtet wird (Energiegewinnung aus Photovoltaik und Geothermie / Tageslichtarchitektur / Dachbegrünung / Regenwasser zur Bewässerung der Außenanlagen / Rückgewinnung der Kühlanlagen-Abwärme / vgl. REWE-Neubau in Rudow). Eine Auszeichnung der Anlage mit dem "Ressource Award" des International Council of Shopping Centres würde dem Objekt zusätzliche Aufmerksamkeit sichern.
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Foto: Thomas Moser -BerLi-Press (www.berli-press.de)
Fußnoten:
1) Gutachten des Planungsbüros Junker und Kruse für das "Bezirkliche Einzelhandels- und Zentrenkonzept" vom Oktober 2009
2) Siehe dort
3) Nach vorsichtiger Einschätzung anhand der "Hinweise zur Schätzung des Verkehrsaufkommens von Gebietstypen" (Ausgabe 2006) der "Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen" kann bei der zur Zeit vorgesehenen Größe des Objekte von 9000 m2 Verkaufsfläche mit etwa 9.000 Kunden und Besuchern gerechnet werden. Bei einem Anteil des motorisierten Individualverkehrs von nur 30 % ergibt dies im Mittel 5.400 KFZ-Fahrten täglich ohne den Warenlieferungsverkehr. Eine örtliche Geschäftsstraße wie die Bahnhofstraße ist gem. "Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen " (Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen 2006) für 400 – 2600 KFZ ausgelegt.
Berlin, am 21.08.2010
Cornelia Federn-Ronacher
Helmut Herzau
Liane Jordan-Pohl
Reinhart Kraft
Manfred Raß
Margrit Schmidt
Hans Streu
Georg Wagener-Lohse
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Die Umweltgruppe wird ihre Ideen an die BVV Tempelhof-Schöneberg und an die Parteien herantragen.
Viele weitere Berichte können Sie in dieser "Internetzeitung" lesen. Sie müssten dafür etwas blättern oder in die Suchfunktion das Stichwort "Mälzerei" eingeben. Wir bleiben für Sie beim Thema Einkaufszentrum Mälzerei auch künftig "am Ball"!
ToM BerLi-Press (www.berli-press.de) für www.lichtenrade-berlin.de

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Hier wird jetzt in lockerer Folge von aktuellen Lichtenrader Geschehnissen berichtet. Eine Art "AKTUELLE INTERNETZEITUNG" könnte man auch sagen...
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