Klimmzüge für den Erhalt der Taunus-Grundschule in Berlin-Lichtenrade

Der Demonstrationszug von Eltern, Lehrern und Schülern gegen die Schließung der Grundschule im Taunusviertel in Lichtenrade ging über die Einkaufsmeile Bahnhofstraße bis hinter die B 96. Fast 1.000 Demonstranten beteiligten sich am 28. Februar 2009 an diesem Protest. Treffpunkt war an der katholischen Salvatorkirche (S-Bahnhof Lichtenrade), deren Glocken die ersten Schritte der großen Gruppe begleiteten.

Die Schülerinnen und Schüler riefen laut: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Schule klaut!“ oder „Eins, zwei, drei und vier - Wir bleiben hier!“ Auch wurde ein Protestsong nach der Melodie „Probiers mal mit Gemütlichkeit“ lautstark gesungen.

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Viele Großeltern unterstützen ihre Enkelkinder bei der imposanten Demonstration. Von stehenbleibenden Passanten hörte man auch Unmutsäußerungen über diese Schulschließung: „Traurig, dass mal wieder bei den Jüngsten und an unserer Zukunft gespart wird!“ Besonders ärgern sich die Eltern darüber, dass die Schule im Sommer 2009 erst 10 Jahre alt wird, sehr gepflegt und besonders wegen des Sport-Schwerpunktes sehr beliebt ist: „So kann man nicht mit uns und unserer Schule umgehen!“ hörte man immer wieder. Ein Mädchen mit Megafon sagt trotzig selbstbewusst: „Wir geben nicht auf! Die Hoffnung stirbt zuletzt!“

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Auf einem Großtransparent wird gefordert: „Für den Erhalt aller Lichtenrader Grundschulen!“ „Die Eltern und Lehrer wollen keine Spaltung der Lichtenrader Eltern an den anderen Schulen“, erklärt eine Elternvertreterin.

Der Demonstrationszug hielt einmal auf der Bahnhofstraße und auf der Kreuzung der B 96 Lichtenrader Damm / Goltzstraße, um die Passanten über die Schulschließung zu informieren.

Grund für die Schließungsabsichten sind sinkende Schülerzahlen. Die Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg hatte die Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung in Auftrag gegeben. Im Protokoll des Bezirkselternausschusses vom 14.10.2008 heißt es: „Bei der Erstellung der Schulentwicklungsplanung muss grundlegend berücksichtigt werden, dass die Bevölkerungsentwicklung nicht der Schülerentwicklung entspricht, da das Schulwahlverhalten der Eltern und Schüler sich verändert.“ Bis 2013 sollen vier Grundschulzüge wegfallen. Da in Lichtenrade die Schülerzahlen schneller sinken sollen, wird hier ein größerer Handlungsbedarf gesehen.

Die tatsächlichen Anmeldezahlen in der Taunusschule verringern sich jedoch nicht, was sicherlich auch an der Schwerpunktsetzung „Sport“ liegt. Das Problem ist, dass, wenn man nicht alle Grundschulstandorte erhalten will und kann, es irgendwo zu Schließungen kommen muss. Die Eltern im Demonstrationszug sind jedoch empört, dass Millionen in die Rettung von Banken investiert werden, aber die Ausbildung in Grundschulen so vernachlässigt wird.

Der Demonstrationszug führte auch an zwei Ständen der bezirklichen CDU vorbei. Die Eltern nahmen dies gleich zum Anlass, ihren Unmut kundzutun. Die Vertreter der CDU fühlten sich angegriffen und regagierten teilweise hilflos. Sie verwiesen auf die verfehlte Senatspolitik. Die CDU-Vertreter nahmen Bildungsstadtrat Hapel in Schutz, der die Schulentwicklungsplanung vorgelegt hat. Wie der Tagesspiegel in seiner Ausgabe am 28.2.2009 schreibt, will die CDU-Fraktion bei dieser Entscheidung bleiben, wie ein Vertreter des Schulausschusses erklärte. Die nächste öffentliche Schulausschusssitzung wird in der kommenden Woche (03. März 2009 um 17:00 in der Sporthalle der Schule-Wiesbadener Str. 20, 12309 Berlin) stattfinden. Hier werden die Parteien Farbe bekennen und den Eltern Antworten auf ihre Fragen geben müssen.

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Klimmzüge für den Erhalt der Taunus-Grundschule

Im Tagesspiegel wird die Schulexpertin der Grünen Martina Rade zitiert: „Die Taunusschule liegt strategisch günstig zum Schließen“. Ihr missfällt jedoch an der Entscheidung, dass der Prozess intransparent ist und die Bezirksverordneten bislang nicht mit einbezogen wurden. In einem Papier der SPD in Tempelhof Schöneberg zur Schulentwicklungsplanung unter besonderer Betrachtung der Empfehlungen zur Lindenhof-Grundschule, die auch geschlossen werden soll, heißt es u.a.: „Der von Stadtrat Hapel vorgelegte Schulentwicklungsplan zeigt keine Lösung für das Grundschulproblem im Tempelhofer Bereich auf…Zu ähnlichen Ergebnissen kommt man auch für andere Regionen des Bezirks, etwa in Lichtenrade, wenn man sich mit dem Zahlenwerk zu einzelnen Hapelschen Szenarien auseinandersetzt. Geschuldet sind diese Szenarien im Wesentlichen dem Bestreben, auf ein Höchstmaß an Standort-Konzentration zu setzen und in der Regel zweizügige Grundschulen nicht zuzulassen. Dieser rein fiskalische Ansatz ist lebensfremd und bildungsfeindlich.“

Weiter berichtet der Tagesspiegel, dass in das Gebäude der jetzigen Grundschule in der Wiesbadener Straße in Lichtenrade die Elisabeth-Rotten-Schule für lernschwache Kinder einziehen soll, die sich jetzt in der Machonstraße in Mariendorf befindet. Die Elisabeth-Rotten-Schule ist in einem älteren Schulgebäude mit einem hohen Investitionsbedarf untergebracht.

Die Grundschule im Taunusviertel liegt in unmittelbarer Nähe der Bezirksgrenze zu Brandenburg. Eine andere Grundschule befindet sich nicht in unmittelbarer Reichweite. Wohin die Schüler der Grundschule nach der Schließung gehen sollen, ist noch unklar.

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Auch für Eltern der Kinder der Mariendorfer Elisabeth-Rotten-Schule erhebt sich die Frage, wie die Kinder künftig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur verkehrstechnisch nicht erschlossenen Kiezschule nach Lichtenrade kommen sollen. Die Elisabeth-Rotten-Schule befindet sich zurzeit noch im Bezirk zentral am U-Bahnhof Westphalweg gelegen. Auch wenn mit dieser neuen Nutzung der Schulstandort der fast neuen Taunusschule für Lichtenrade nicht verloren geht, sehen sich die besonders die Eltern der ersten Klassen von der Bildungsverwaltung im Stich gelassen.
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Wie eine Lehrerin und eine Elternvertreterin erklärten, wird der Protest gegen die Schulschließung weitergehen! BerLi-Press wird in der „Internetzeitung“ des Kiez-Onlineportals www.lichtenrade-berlin.de weiter berichten.

Thomas Moser BerLi-Press –auch Fotos- (www.berli-press.de) für www.lichtenrade-berlin.de

Link zum Artikel im Tagesspiegel (Erfolgreich, aber überflüssig - Taunus-Grundschule in Lichtenrade wird geschlossen – Eltern protestieren) vom 28.2.2009: http://www.tagesspiegel.de/berlin/art270,2740464

Schreiben eines Elternteils; LINK: 

http://weblog.lichtenrade-berlin.de/archive/2009/02/23/die-grundschule-im-taunusviertel-in-lichtenrade-soll-geschlossen-werden-samstag-.htm

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Hier wird jetzt in lockerer Folge von aktuellen Lichtenrader Geschehnissen berichtet. Eine Art "AKTUELLE INTERNETZEITUNG" könnte man auch sagen...
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