?Der Mond ist aufgegangen...? in Lichtenrade...Barbara Thalheim hatte Gastauftritt

Das Haus Cato Bontjes van Beek in der Mellener Straße in Lichtenrade ist seit einigen Monaten die erste Anschrift im Ort für anspruchsvolle Kultur. Tagsüber ist in der Mellener Straße 28 ein reges Treiben von Hortkindern der Käthe-Kollwitz-Schule zu beobachten. Abends konnten die Lichtenrader bislang viele Konzerte und Lesungen erleben, die immer bei freiem Eintritt mit den Spenden die Arbeit der Stadtindianer unterstützen. Sicherlich einer der Höhepunkte war am 1. April 2006 die ausgebuchte Veranstaltung unter dem Motto „Über Leben“. Die Organisatoren des Hauses, Frau Achterhagen und Johannes Schmock, konnten erstmalig eine Lesung von Regina Scheer und ein Konzert von Barbara Thalheim und Jean Pacalet zusammenführen.

Nach den einführenden Worte von Anne Achtenhagen lass Regina Scheer aus ihrem Buch „Im Schatten der Sterne - Eine jüdische Widerstandsgruppe. Das Buch erzählt von der Geschichte des Freundeskreises um Herbert Baum. Diese jungen Widerstandskämpfer schienen in kein Schema zu passen. „Einfühlsam und anschaulich erzählt Regina Scheer von ihrem Aufbegehren, ihrer Lebenslust, ihrem Mut, ihrer Tollkühnheit, ihrer Angst und ihren mitunter tragischen Verstrickungen“ schreibt treffend der Verlag.  Regina Scheer rekonstruiert das, was wirklich geschehen ist, aus Briefen, Kassibern und Gnadengesuchen, aus Berichten der wenigen Überlebenden, aus Unterlagen der Gestapo und Stasi-Akten. Fast alle, die zum Freundeskreis Baum gehörten, wurden verhaftet, hingerichtet oder im KZ ermordet.

Die schweren Worte breiteten eine nachdenkliche Stimmung im Saal aus. Unterbrochen wurde die Lesung schon von einigen passenden und beeindruckenden Liedern von Barbara Thalheim und von intensiven Akkordeoninterpretationen von Jean Pavalet.

Der zweite Teil des Abends war ausschließlich den musikalischen Künstlern vorbehalten. Langsam löste sich beim Publikum die beklemmende Schwere. Sie lauschten aufmerksam den Ansagen von Barbara Thalheim. Diese in der DDR sehr bekannte Künstlerin erhielt 2004 für die CD „Insel sein“ den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Thalheim erzählte über ihre Leben, ihre Sichtweise der Welt und berichtete von vielen Anekdoten. So auch, wie sie Jean Pacalet 1993 in Paris kennenlernte, der mit Chonsonsängerinnen aber auch gar nichts anfangen konnte. Die Liedertexte und Interpretationen der Thalheim wurden beeindruckend dem Publikum, manchmal auch mit eigener  Gitarrenbegleitung, präsentiert. Die exzellent geschulte und leicht rauchige Stimme  der Künstlerin war ein wahrer Genuss. Die Kombination mit dem Akkordeonspiel von Pacalet überstieg jedoch alle Erwartungen. Jean Pacalet verschmolz förmlich mit seinem großen Instrument, brachte Wellen zum rauschen und Vögel zum singen. Pacalet dürfte einer der größten Künstler dieses Instruments sein. Er beherrscht alle Tasten und holt den letzten Rest Luft aus dem Instrument.

Ein nachdenklich und schöner Abend, der mit viel Applaus und der Interpretation von „Der Mond ist aufgegangen“ zu Ende ging. „Große Kunst in Lichtenrade“ ist wohl die treffende Bezeichnung einer begeisterten Lichtenraderin.

 

Thomas Moser - Online-Pressedienst-Lichtenrade / www.lichtenrade-berlin.de 

 

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