?Komm, wir gehen für unser Volk? - Stadtteilbibliothek Lichtenrade erhält den Namen von Edith Stein

 

Der Stadtteilbibliothek Lichtenrade wurde am 17. März 2006 feierlich der Name „Edith-Stein-Bibliothek“ verliehen.

Freitag vormittags in Lichtenrade, 2 Minuten vom S-Bahnhof Lichtenrade entfernt, unmittelbar an der Bahnhofstraße, genauer gesagt in der Briesingstraße 6 direkt hinter der Salvator-Kirche. Nichts lässt am Eingang des Backsteinbaues darauf schließen, dass heute der Stadtteilbibliothek in einem Festakt ein Name verliehen wird.

Über dem Eingang weist ein Schild „Stadtteilbibliothek“ auf die Einrichtung im ersten Stock hin. Sonst findet man im Gebäude noch Teile des Jugendamtes. Auch das Bürgeramt ist im Gebäude vertreten und über den rückwärtigen Eingang erreichbar. Das Gebäude diente ursprünglich jahrelang als Krankenhaus (Christophorus -Kinderkrankenhaus).

Gäste aus der Bezirkspolitik und aus vielen Lichtenrader Einrichtungen versammelten sich im Mittelteil der Bibliothek. Hier stehen sonst die Computer, die die Besucher  für wenig Geld benutzen können. Die Gäste werden von der Leiterin der Stadtteilbibliothek Frau Egenter und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern freundlich begrüßt.

Die vielen Menschen sind hier schon etwas ungewöhnlich. Aber ansonsten sieht die Bibliothek wie immer aus...Bücher, Bücher...

Der Leiter der Stadtbibliothek Dr. Engelbrecht Boese eröffnet den Festakt, nachdem das Saxophonquartett „Die Kunst der Pause“ ihre Instrumente zur Seite gelegt hat.

Feierlich stimmt der Stadtrat für Schule, Bildung und Kultur, Dieter Hapel, die Festgäste auf den Anlass der Veranstaltung ein. Hapel spricht von Edith Stein, die in einer jüdisch-orthodoxen Familie in Breslau geboren wurde. Diese deutsche Philosophin ist auch ein Vorbild und eine wahre Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts. „Die Namensgebung nach Edith Stein war Konsens aller Parteien im Bezirk“ erläutert Dieter Hapel. Hapel berichtet weiter: „Im Bezirk hat man sich verständigt, dass Straßen und Einrichtungen bei Neu- und Umbenennungen jetzt vorrangig Frauennamen erhalten sollen. Die Frauen sollen auch angemessen im Bezirk vertreten sein. Bei den Bibliotheken haben jetzt schon drei Einrichtungen Namen von bedeutenden Frauen.“

 

Der Festvortrag wird von Prof . Dr. H. D. Zimmermann von der TU Berlin gehalten. Zimmermann  kommt aus dem Institut für Literaturwissenschaft und weiß, wovon er spricht. Sein Thema „Edith Stein  - Zum Leben einer deutschen Jüdin“.

Er berichtet über das bewegte Leben. 1891 wurde sie als jüngstes von elf Kindern geboren. Sie studierte Germanistik, Geschichte, Psychologie und Philosophie. 1916 machte sie ihr Doktorexamen in Freiburg mit summa cum laude. Zwischen 1919 und 1923 unternahm sie mehrere Versuche zur Habilitation. Aber lehrende Frauen an der Universität wollte man nicht.

Edith Stein konvertierte zum Katholizismus und ließ sich am 1. Januar 1922 taufen. Sie unterrichtete dann an einer Mädchenschule für Dominikanerinnen in Speyer. 1933 trat sie in Köln in den Orden der Karmelitinnen ein und nahm den Namen Teresa Benedicta a Cruce (deutsche Bedeutung "Theresia, die vom Kreuz Gesegnete") an. In dieser Zeit unterrichtete sie am Deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster. Während der NS-Zeit erhielt Edith Stein als gebürtige Jüdin Lehrverbot. 1934 siedelte sie nach Echt in Holland über. Hier entstanden ihre bedeutesten Arbeiten. Dem Terrorregime der Nazis konnte sie aber auch hier nicht entkommen und wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und in Birkenau in der Gaskammer ermordet. Beim Verlassen ihres Klosters fasste Edith ihre Schwester bei der Hand und sagte nur: "Komm, wir gehen für unser Volk."

Am 1. Mai 1987 wurde Edith Stein als erste katholische Märtyrerin jüdischer Abstammung von Papst Johannes II. selig und am 11. Oktober 1998 heilig gesprochen.

Zimmermann Ausführungen wurden aufmerksam von den Anwesenden verfolgt. Pfarrer Lau aus der angrenzenden Salvator-Gemeinde begrüße die Namensgebung ausdrücklich.

Die zwei Frauen und zwei Männer des Saxophonquartetts rundeten die Veranstaltung mit unterhaltender Musik, die aber auch unter die Haut gehen konnte, ab.

Die Lichtenrader Kultureinrichtung hat einen bedeutenden Namen erhalten: Edith-Stein-Bibliothek.

Online-Pressedienst-Lichtenrade (Thomas Moser)

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